Visualisierung - Technische Dokumentation 4.0

Visualisierung 4.0 | Technische Dokumentation

 

Wer kennt es nicht, der Einkauf aus einem Möbelhaus Ihrer Wahl wird ausgepackt und schon beginnt die Orientierung für den Aufbau anhand des Beilegheftchens. Während diese Aufbauanleitungen noch einfach strukturiert sind, verzweifeln die ersten bereits an den Anleitungen neuester elektronischer Gadgets. Und wenn Sie an dieser Stelle nicht die entsprechende Funktion einzustellen wissen, wie sähe es dann erst mit dem Verständnis für eine, mehrere tausend Teile umfassende, Anlage aus? Sprachbarrieren zu umgehen, neue Kommunikationswege zu finden und digitale Daten zu nutzen: das sind die zentralen Aufgaben einer technischen Dokumentation 4.0. Mehrere Ordner, dicke Handbücher, Dokumentationen und allgemeiner Papierkrieg sollen also Schnee von gestern sein? Leider noch nicht ganz, aber wir zeigen, welchen Nutzen Sie heute schon kreieren können.

 

Die Herausforderungen an eine konservative technische Dokumentation

Die historisch gewachsene Dokumentation technischer Anlagen verzweigt sich in eine interne Dokumentation, in der das vollständige Verständnis eines Produktes, also Berechnungen, Pflichtenhefte, Zeichnungen, Ersatzteilkataloge, Risikohinweise, Sicherheitsdokumente, Montagerichtlinien, Fertigungsunterlagen und vieles mehr, hinterlegt sind, und in die externe technische Dokumentation. Diese dient als Gebrauchsanleitung, Servicehandbuch, Montageanleitung etc. für den Kunden. Aber schauen wir nochmal auf die Kernherausforderungen der Digitalen Transformation: Komplexität, Time-To-Market, Kostendruck, hohe Qualität und das After-Sales Geschäft.

Kernherausforderungen der Digitalen Transformation

Abbildung 1: Kernherausforderungen der Digitalen Transformation

 

 

Innovative Digitalisierungsstrategien sind vermehrt geprägt von kundenindividualisierten Produkten. Durch den damit einhergehenden Zuwachs an Komplexität und eingeforderter kurzfristiger Verfügbarkeit, wird die konservative technische Dokumentation direkt gehemmt. So steht eine herkömmliche Dokumentation den fünf zentralen Herausforderungen kontrovers gegenüber. Es lässt sich also schnell feststellen, dass sich auch die technische Dokumentation im Rahmen der digitalen Transformation wandeln wird. 

Wie also mit diesem Problem umgehen und welche Maßnahmen einleiten? Spätestens hier sollten alle roten Lampen leuchten und das Stichwort „Digitales Produktmodell“ hervorholen und damit auf den Wegweiser einer durchgängigen Datenverwaltung zeigen. Das revisionssichere Arbeiten ermöglicht es, agiler auf gesetzliche Regularien im Zuge der technischen Dokumentation einzugehen, aber dazu später mehr. Gerade die Herausforderungen des After-Sales-Geschäfts stellen die konservative technische Dokumentation vor immense Herausforderungen. Auf diese werden wir in diesem Artikel unseren Schwerpunkt legen, denn die großen Schwierigkeiten technischer Dokumentationen liegen in der Usability [Mehr dazu im Artikel Einleitung Visualisierung 4.0]. Die textbasierte Bereitstellung oben aufgezählter und weiterer Dokumente in verschiedensten Sprachen ist eindeutig extrem zeitintensiv und damit sehr kostspielig. Neben der eigentlichen Erstellung der Dokumente, muss sowohl Kundenpersonal, als auch internes Personal in diese Dokumente eingearbeitet werden. Der reine Lese- und Verständnisumfang ist enorm und entspricht nicht mehr dem zeitgemäßen Verständnis von Usability. 

Welche Möglichkeiten bieten sich also im Kontext von Industrie 4.0?

Innovative Technologien bieten sich an, um die technische Dokumentation agil zu unterstützen. Denn durch diese Technologien kann die Komplexität unmittelbar, infolge additiver Visualisierungen, reduziert werden. Die Performance moderner mobiler Geräte und innovativer Medien/Hardware wie Smart Glasses nimmt rasant zu. Dabei bieten gerade Smartphones und Tablets bereits heute eine Performance, um gelungene AR-Anwendungen im After-Sales-Geschäft anzubieten. Das Einsatzgebiet dieser Technologien überschreitet jedoch das der reinen Wartungs- und Montageszenarien deutlich und lässt sich z.B. auch für vertriebliche Zwecke und Trainings nutzen. Dennoch soll kurz ein Wartungsszenario skizziert werden: 

Für eine individuell entwickelte Anlage stehen Wartungsarbeiten an, aber die Servicekraft ist nicht in das spezifische Entwicklungsprojekt eingearbeitet. Selbstverständlich hilft ihm sowohl sein allgemeines als auch sein spezifisches technisches Verständnis dabei Probleme zu erkennen, zu verstehen und zu beheben. Allerdings zollt die Individualisierung, in Form einer erhöhten Wartungszeit, Tribut. Die AR-Technologie kann dem Personal dabei behilflich sein die (Problem-)Stelle, an der der Schuh drückt, zu lokalisieren.

So lässt sich der Wartungsaufwand deutlich effizienter gestalten und das Wartungspersonal kann sich auf die eigentliche Serviceleistung fokussieren. Auch die Ersatzteildisposition ist in Folge der zunehmenden Komplexität durch individuelle Produkte gefordert. Revisionssichere Dokumentation bzw. additive Technologien bieten eine Plattform, um diese Prozesse nachhaltig zu ermöglichen und so umfangreiche Lagerbestände zu vermeiden. Eine zukunftsorientierte Produktentstehung ermöglicht bei dynamischer Dokumentation Kosten, aufgrund einer durchgängigen Nachvollziehbarkeit, zu verringern. An dieser Stelle soll auch auf den Folgeartikel verwiesen werden, in dem additive Fertigungsprozesse genauer betrachtet werden und wie diese das Ersatzteilgeschäft revolutionieren könnten.

Darüber hinaus werden externe technische Dokumentationen auch zur Inbetriebnahme von Anlagen eingesetzt. Dabei können innovative Technologien die Anwender unterstützen. Neben der AR-Technologie ist ebenfalls VR zu nennen. [Warum sich diese Technologie heute durchsetzt lesen Sie im Artikel Das digitale Produktmodell in Virtual Reality]. Bereits vor der Übergabe einer Maschine, Anlage oder allgemeiner eines Produktes, kann der Kunde virtuell eine Inbetriebnahme durchführen und sich so ein komplexes Verständnis für das von ihm erworbene Produkt aneignen. „Designrooms“, in denen mehrere Personen zeitgleich virtuell anwesend sind, können für erste Trainings und vor allem als Simulation einer Inbetriebnahme eingesetzt werden. Die Zugriffe können (natürlich) ortsungebunden erfolgen. Diese Art der Visualisierung ermöglicht es, komplexe Zusammenhänge anwenderfreundlich zu vermitteln.

Der immense Zuwachs an Performance mobiler Geräte, leistungsfähigen Netzanschlüssen und Grafikkarten ermöglicht heutzutage einen Mehrwert aus AR und VR zu schaffen. Somit sind diese Technologien nicht mehr nur „hip“, sondern werden bereits unterstützend eingesetzt. Zwar wird auf absehbare Zeit die technische Dokumentation weiterhin gesetzlichen Vorgaben verschiedener Instanzen unterliegen, allerdings wird sich das Gewicht im Rahmen der praktischen Anwendung zu Gunsten dieser innovativen Technologien verschieben. Gerade, weil sie bereits heute schon so realitätsnah sind.

Wie können Sie diese Technologien in Ihre technische Dokumentation einbinden?

Es lässt sich also feststellen, dass die Agilität einer der wesentlichen Vorteile additiver technischer Dokumentation ist. Ein revisionssicheres und zentrales Verwalten von Daten jeglicher Art, ermöglicht eine simultane, technische Dokumentation im Produktentstehungsprozess. 

Abbildung 2: Technische Dokumentation im Produktentstehungsprozess

Selbst in der Nutzungsphase bietet diese additive Dokumentation eine Agilität basierend auf der maschinennahen, und fakultätsübergreifenden Verfügbarkeit. Damit zeigt sich, dass die technische Dokumentation den Produktentstehungsprozess wie einen roten Faden durchzieht. Die Firma Quadrispace bietet mit ihrem Produkt Pages 3D eine Möglichkeit an, diesen roten Faden zu spinnen. Die digitalen Textdokumente werden durch dynamische Grafiken unterstützt, die somit die Visualisierung des Produktes verbessern. Der Einsatz dieser dynamischen Grafiken ermöglicht den weitreichenden Vorteil einer revisionssicheren und damit nachhaltigen Darstellung. 

So wird die technische Dokumentation zu einem zentralen Träger im Lebenszyklus eines Produktes und schafft einen Imagewechsel von der, häufig als lästige Pflicht wahrgenommenen, herkömmlichen Dokumentation zu einem konkreten Teil des Wertschöpfungsnetzes. Eine technische Dokumentation im Rahmen von Industrie 4.0 ist also keine Technologie, sondern ein konkreter Anwendungsfall diverser Technologien die innerhalb der Thematik Industrie 4.0 immer wieder genannt werden. Hier wird ein Nutzen der technologischen Megatrends unmittelbar sichtbar. Ein disruptiver Wandel der technischen Dokumentation, wie man ihn in anderen Bereichen beobachten kann, wird zunächst durch rechtliche Vorgaben auf Landes-, EU-Ebene etc. vermieden. Vielmehr kann von einer revolutionierenden Evolution die Rede sein, die durch ihre additiven Technologien die Usability einer textbasierten Dokumentation verbessert.

Der Artikel vermittelt, dass durch eine technische Dokumentation 4.0 ein konkretes Potential im Produktentstehungsprozess ausgeschöpft wird. Der Begriff digitaler Zwilling und innovative Visualisierung erhalten durch die technische Dokumentation ein Gesicht und ermöglichen so eine anwenderfreundliche Darstellung komplexer technischer Zusammenhänge. In unserem nächsten Artikel werden additive Fertigungsverfahren, allgemein bekannt als 3D-Druck, kompakt betrachtet und erläutert.