Service 4.0 - Predictive Maintenance

VIERNULL.blog | Service 4.0 - Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung)

 

In den folgenden Wochen werden verschiedene Artikel im Rahmen einer Technologie-Artikelserie veröffentlicht. Die Serie beschäftigt sich mit der Erzeugung und Nutzung von Daten im Maschinen- und Anlagenbau und die sich daraus erschließenden Vorteile in der Produktentwicklung sowie neuen Serviceleistungen als Angebot für Kunden.  

Im Zuge der industriellen Digitalisierung erschließen sich völlig neue Geschäftsmodelle für Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe. Ein neues, additives Geschäftsmodell basiert auf dem Ausbau der eigenen Serviceleistungen. In diesem Artikel betrachten wir Predictive Maintenance (dt.: vorausschauende Wartung), welches als Schlüsselthema im Servicegeschäft der produzierenden Industrie bewertet wird. Dabei handelt es sich um eine Prognose der restlichen Lebensdauer einer Maschine, genauer der Maschinenkomponenten, durch Messung und Auswertung von Echtzeit-Informationen. 

 

Schematisch dargestellt besteht Predictive Maintenance aus drei grundlegenden Schritten:  

 

Predictive Maintenance bündelt historische Daten zu kritischen Betriebsparametern mit Echtzeit-Informationen, welche im Zuge von „Condition Monitoring“ (Zustandsüberwachung) erfasst werden. Die geeignete Zusammenführung und Auswertung dieser Informationen führen zu einer Prognose der Restlebensdauer von Maschinenkomponenten.  

Im Detail werden mithilfe von moderner Sensorik, leistungsfähiger Kommunikationsnetzwerke und geeigneter Computing-Plattformen (welche den Abgleich zwischen Massdaten mit kritischen Fehlerbildern über stochastische Algorithmen vornehmen) Muster kreiert, um Berechnungen für Lebensdauerprognosen zu ermöglichen. Diese werden genutzt, um im Servicegeschäft die Verbesserung der Leistungserbringung des eigenen Produkts zu gewährleisten, sowie Rückschlüsse für die präzise Optimierung des Produkts vornehmen zu können. 

Somit werden Entscheidungen und Abläufe in der Produktion proaktiv mithilfe der Prognosen unterstützt. Das Verhältnis zwischen Hersteller und Kunde ändert sich zu einer Wertschöpfungspartnerschaft. Predictive Maintenance wird zu tiefgreifenden Veränderungen in den Geschäftsmodellen von Herstellern und in den Produktionsstrategien (stabilere Prozesse und Leistungssteigerung der Produktionstechnik durch erhöhte Verfügbarkeit und Lebensdauer von Anlagen) des Betreibers führen. Die Basis für ein Wertschöpfungskonzept von Predictive Maintenance legen digitale Strukturen im Produktlebenszyklusmanagement und einen integrierten Produkt-Service-Ansatz durch Konnektivität zum Produkt. 

Für den deutschen Maschinenbau bedeutet diese Technologie ein Umdenken in dem Angebot von Servicegeschäften. Im Zuge einer Umfrage des VDMA befassen sich bereits 81% der befragten Unternehmen intensiv mit dem Thema Predictive Maintenance. Gleichzeitig räumen fast 90% der Teilnehmer Defizite im Verständnis der Bedürfnisse und Anforderungen ihrer Kunden ein. Dementsprechend gibt es noch Handlungsbedarf bei der Aufklärung von signifikantem und quantifizierbarem Mehrwert für den Kunden, was ein entsprechendes Kaufverhalten begründen würde.  

 

Zu der Frage wie ein Preisgestaltungsmodell für Predictive Maintenance Lösungen aussehen kann gaben die Befragten folgende Top-3-Antworten: 

Auch bei dieser Antwort zeigt sich, dass bei der Gestaltung von Predictive Maintenance als Serviceangebot noch einiges an Handlungsbedarf existiert. Die grundsätzliche Technologie um Predictive Maintenance anbieten zu können, ist gegeben. Nun gilt es, diesen Service in die eigenen Geschäftsmodelle (Preis- und Vertriebsmodelle) miteinzubinden, um die Vorteile für die eigene Produktoptimierung zu nutzen sowie die Kundenbindung durch die Verringerung von Ausfällen und unnötigen Wartungszyklen zu maximieren. 

Die Bedeutung von Predictive Maintenance als Chance ein neues Geschäft im Zuge der industriellen Digitalisierung zu generieren ist unumstritten. Der deutsche Maschinenbau muss sich zwangsläufig mit digitalen Geschäftschancen auseinandersetzen, um auch in Zukunft als Produktionsstandort Nummer eins zu gelten. Daher ist das Management einmal mehr gefordert sich mit Themen wie Predictive Maintenance zu beschäftigen und durch klare Strategien die systematischen Geschäftskonzepte zu erschließen. Dabei ist Predictive Maintenance nicht als das Nonplusultra zu sehen, sondern es muss viel mehr das gesamte Servicegeschäft in einem ganzheitlichen Unternehmensansatz analysiert und optimiert werden. 

Viele Möglichkeiten Servicegeschäfte im digitalen Zeitalter anzubieten, basieren auf Sammlung und Nutzung von großen Mengen an Daten. Hierbei spricht man von Big Data. Was das genau bedeutet, erfahren Sie im nächsten Artikel der Technologie-Reihe.