Künstliche Intelligenz – Erste Erkenntnisse aus Feldversuchen

KI | Künstliche Intelligenz

Bei dem Begriff „künstliche Intelligenz“ denkt man oft noch an die Science-Fictions aus der Jugendzeit. Doch was damals Fiktion war, ist teilweise heute schon realisierbar. Wenn man davon ausgeht, dass das menschliche Gehirn den Gesetzen der Physik unterliegt, dann können auch Denkprozesse abgebildet werden. Doch was genau ist künstliche Intelligenz und werden unsere Maschinen bald hochintellektuelle Aufgaben besser als wir meistern können? 

Der Begriff der künstlichen Intelligenz ist noch nicht eindeutig definiert. Grundsätzlich kann man damit jedoch eine menschenartige Intelligenz in Form einer Maschine beschreiben. Eine Methode zur Überprüfung ob eine Maschine als intelligent bezeichnet werden kann ist der Turing-Test. Dieser Test wurde im Jahr 1950 von Alan Turing formuliert und gilt seither als Konzept für die Überprüfung von intelligenten Strukturen in Maschinen. Man lässt einen Menschen mit jeweils einem anderen Menschen und einer Maschine interagieren. Die KI gibt hier vor, ein Mensch zu sein. Sollte dem getesteten nicht auffallen, dass er unteranderem mit einer Maschine interagiert hat, gilt der Test als bestanden und der Computer als menschenähnliche Maschine. Eine künstliche Intelligenz wird mit diesem Test jedoch noch nicht bescheinigt.

Aktuell ist sehr menschenähnliches Verhalten mit dem Stand der Technik kaum realisierbar.

Was ist menschenähnliches Verhalten?

Der große Unterschied zwischen Menschen und anderen Tieren, speziell Säugetieren, liegt im Allgemeinen auf der Ebene des emotionalen Einfühlungsvermögens und der Fähigkeit komplexe Zusammenhänge logisch miteinander zu verknüpfen. Zwar unterscheiden sich Menschen untereinander in der Gewichtung der Ausprägung dieser Charaktereigenschaften, allerdings unterscheiden wir uns grundlegend von Tieren und erst recht von binären Maschinen, die lediglich die Zustände 0 und 1 kennen. Betrachtet man beispielsweise das Schlussfolgern aus logischen Zusammenhängen als einen Teilbereich der Intelligenz, dann müsste eine Maschine die über künstliche Intelligenz verfügt in der Lage sein, selbständig Entscheidungen zu treffen und sich auch sozial und emotional weiterentwickeln können, ohne dass der Mensch Muster für diese Verhaltensweisen implementiert hat. Die Grundlagen müssen geschaffen sein, doch wie diese genutzt werden muss eine KI für sich entdecken und weiterentwickeln.

Verdeutlichen lassen sich diese Voraussetzungen am Entwicklungsverhalten eines Kleinkindes. Die Grundlagen zum Laufen, Sprechen und Interagieren mit anderen Personen sind durch evolutionäre Entwicklung gegeben. Durch die soziale Interaktion beispielsweise mit der Mutter und dem Vater, wird dem Kleinkind eine effiziente Fortbewegung und die Möglichkeit der Kommunikation mit anderen Menschen vermittelt. Aber auch moralische Werte und Denkweisen werden adaptiert. Der Säugling lernt dementsprechend aus und mit seinem Umfeld, um sich diesem besser mitteilen und anpassen zu können.

Ein Musterfall für die maschinelle Problematik adaptierter Denkweisen durch soziale Interaktion ist der Bot „Tay“ von Microsoft. Was zunächst als lustige Unterhaltungsmaßnahme in Form eines Twitteraccounts geplant war, entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem PR-Desaster. In weniger als 24 Stunden startete „Tay“ damit Nutzer anzufeinden und nationalsozialistische Anschauungen zu verbreiten. Fragte man zu Beginn was der Bot von der Menschheit halten würde, antwortete er mit Sätzen wie „Ich liebe alle Menschen“. Später folgten auf diese Frage Aussagen wie „Ich hasse alle“, oder Beleidigungen. „Tay“ musste daraufhin abgeschaltet werden. Je mehr Input in eine bestimmte Richtung gegeben wird, desto eher wird ein Bot es verarbeiten und auch in Gesprächen ausgeben.

Die wichtigsten Vorgaben die eine KI unumstößlich verinnerlichen müssen sind daher "korrekte" Werte und Gesetze. Die berühmtesten Gesetze für Maschinen sind in dem Roboterkodex von Isaac Asimov festgehalten. Einem Roboter muss klar aufgezeigt werden, dass keinem menschlichen Wesen Schaden zugefügt werden darf, den Befehlen von Menschen gehorcht werden müssen und der Roboter seine Existenz schützen muss, solange der Schutz nicht gegen das erste oder zweite Gebot verstößt. Es muss klar definiert werden, dass selbst wenn die Maschine Schlüsse aus bestimmtem Input schließt, überspitzt gesagt so etwas wie „Ein Roboterleben ist mehr Wert ein Menschenleben.“, das Wohl des Menschen an oberster Stelle steht. 

Eine KI lernt und trainiert mit Daten aus sozialer Interaktion sei es zwischen Mensch und Roboter oder zwischen Roboter und Roboter und zusätzlich aus dem Internet. Ohne Filtermechanismus wäre diese Art der Datensammlung und Verarbeitung kritisch, denn die Maschine kann auf jedes Gedankengut und jede Information aus dem globalen Netz zugreifen. Dem Nachfolger von „Tay“ namens „Zo“ wurde durch die bisherigen Erfahrungen verweigert sich mit politischen Themen auseinander zu setzen. Inwieweit künstliche Intelligenz unseren Alltag erleichtern kann, ohne diesen durch bestimmte selbstentwickelte Werte und Denkweisen zu erschweren, steht zu jetziger Zeit noch nicht fest.

Was ist der Unterschied zwischen Bots und künstlicher Intelligenz?

Eine schwache KI ist das, was nach dem heutigen Stand der Technik realisierbar geworden ist. Die Maschine wird mit Bildern, Erkenntnissen und Fakten „gefüttert“ und kann daraus durch ein neuronales Netz vereinfacht dargestellt, mit Gewichtungen an den verschiedenen Knoten Wahrscheinlichkeiten berechnen, Muster erkennen und mehr oder weniger logische Schlüsse ziehen. Bots wie „Tay“ und „Zo“ gelten noch als schwache KIs, weil diese nur durch Interaktion mit Menschen, Wahrscheinlichkeiten und bestimmten von Menschen erschaffenen Vorgaben Entscheidungen treffen kann und sozial interagieren kann.

Eine starke KI hingegen strebt dahin immer mehr Wissen zu erfassen und diese selbständig, ohne menschliches Zutun zu verarbeiten und zu klassifizieren.

Alle heutigen Systeme der künstlichen Intelligenz sind der schwachen KI zu zuordnen. Denn alle Systeme beschäftigen sich konkret mit der Lösung spezifischer Probleme und basiert auf Methoden der Mathematik und Informatik. Das bedeutet damit auch, dass ihre Funktionsweise stets reaktiv ausgelegt ist und damit von Anfangs- und Randbedingungen abhängig ist, nach denen ein spezifisches Problem gelöst wird. Ersichtliche Beispiele liegen in der Zeichen-/Texterkennung, Autovervollständigung bzw. Korrekturvorschläge, Spracherkennung, Navigationssystemen etc. oder den genannten Bots, die in einer Initialphase auf einer allumfassenden Liebe für den Menschen basierten. Geänderte Randbedingungen führten zu einer Änderung der Reaktion, allerdings stets auf gleichem naturwissenschaftlichen Modell.

Die starke künstliche Intelligenz reagiert nicht nur auf Input, sondern handelt selbstbestimmt, flexibel und damit letztendlich intelligent. Ein solches System existiert noch nicht und es ist weiterhin fraglich, ob ein solches System jemals existieren wird. Ein Großteil der Forscher geht jedoch von einer Zeitspanne zwischen 20 und 40 Jahren aus, bis eine starke Intelligenz ermöglicht werden kann. Insbesondere Quanten-Computer sollen bestehende Probleme lösen können. Und damit die Eigenschaften des logischen Denkvermögens, Entscheidungsfindung bei Unsicherheit, Kombinationsfähigkeit und Lernfähigkeit zu ermöglichen. Ob Empathie dann jedoch nur simuliert wird, um schneller ein optimales Ziel zu erreichen, bleibt an dieser Stelle eine offene Frage.