Förderprogramme in Zeiten der Digitalisierung

Fördermittel Industrie 4.0 und Digitalisierung

Die Digitalisierung etabliert sich verstärkt unter dem Synonym „Industrie 4.0“ im industriellen Umfeld. Immer mehr Konzerne, aber auch Mittelständler suchen Wege, um das Servicegeschäft (After-Sales), das eigene Produkt oder die Geschäftsmodelle zu revolutionieren oder zu ergänzen. Die Notwendigkeit Daten zu nutzen wurde erkannt, doch nun werden nötige Investitionen und Mühen gescheut; denn die Konjunktur und die Auftragslage sorgt bei vielen hochspezialisierten Champions dafür, dass zu wenig Zeit für neue Themen bleibt. Der Artikel zeigt Wege auf, wie Sie in die Digitalisierung investieren können und dabei auch noch monetäre Mittel sparen.

Die Problemstellungen von Industrie 4.0 sind weltweit dieselben und auch der deutsche Mittelstand spürt den Druck, dass technologische Versäumnisse die Wettbewerbsfähigkeit massiv beeinträchtigen können. Im Zeitalter der Digitalisierung verkürzen sich zunehmend die gegebenen Zeiträume zur Adaption von Technologien. Die nachfolgende S-Kurve verdeutlicht, dass markttaugliche Technologien unmittelbar adaptiert werden. Die Grafik verschweigt aber, dass die neuesten Technologien bereits adaptiert wurden. Augmented- und Virtual Reality sind die Chance, heute die Wettbewerbsfähigkeit von morgen zu sichern. (siehe Artikel "Visualisierung 4.0").

Abbildung 1: Adaptionsrate ausgewählter Technologien im zeitlichen Verlauf

Im Folgenden beziehen wir uns lediglich auf Herausforderungen, die sich auf den deutschen Mittelstand beziehen. Eine Indexbewertung ermöglicht es, Sachverhalte als Kennzahl darzustellen. Dadurch wird es bspw. möglich, unterschiedliche Länder in Bezug auf konkrete Themen zu vergleichen. Der Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) betrachtet die Themen Konnektivität, Humankapital, Internetnutzung, Integration der Digitaltechnik und digitale öffentliche Dienste. Unter dem Themenschwerpunkt Integration der Digitaltechnik wird der Digitalisierungsgrad der Wirtschaft untersucht. Die folgende Grafik stellt den DESI innerhalb der EU dar:

Rangfolge nach dem Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) 2018; Quelle: www.ec.europa.eu

Abbildung 2: Rangfolge nach dem Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) 2018; Quelle: www.ec.europa.eu

Unter Bewertung aller Themenschwerpunkte liegt Deutschland aktuell auf dem 14. Platz innerhalb der 28 EU-Mitgliedstaaten. Betrachtet man das Thema Integration der Digitaltechnik alleinstehend, liegt Deutschland auf Platz 12 und hat sich damit um zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. In Kombination mit den Erkenntnissen aus Abbildung 1 lässt sich feststellen, dass sich die deutsche Wirtschaft beeilen muss, wenn sie auch künftig von zentraler Bedeutung sein möchte. Lediglich 5,3 % der deutschen KMUs setzten im Jahr 2016 auf Big Data Analytik, einem zentralen Baustein von Industrie 4.0.

Als Vergleich: der gesamtheitliche Durchschnittswert lag innerhalb der EU im selben Zeitraum bei ca. 10%. Noch drastischer wird es, wenn noch spezifischere Lösungen betrachtet werden. Die Nutzung von RFID-Chips liegt in der aktuellen Studie bei einer Marktdurchdringung von nur 3,6 % innerhalb aller deutschen Unternehmen. In diesem spezifischen Fall liegt Deutschland auf Rang 19. Basierend auf den vorhergegangenen Zahlen, Daten und Fakten ist es Zeit, das Programm zu wechseln und sich Lösungen durch Veränderungen zu widmen.

Anreize schaffen durch monitäre Unterstützung

Wie lassen sich also Anreize schaffen, in Zeiten des konjunkturellen Booms  Veränderungen hervorzurufen? Eine digitale Revolution trotz voller Auftragsbücher? Ja, es muss sein und sei es auch angestoßen durch verschiedene Förderungsmaßnahmen. Welche Förderungsmaßnahmen/ -arten gibt es? Wer stellt diese zur Verfügung? Und wer erhält diese? Welche konkreten Förderungsprogramme gibt es? Diese Fragen werden in diesem Artikel weitestgehend beantwortet.

Welche Förderungsarten gibt es?

Wir beschränken uns in diesem Artikel auf Bürgschaften/Garantien, Darlehen und Zuschüsse. Banken fordern im Rahmen einer Kreditfreigabe im Allgemeinen Sicherheiten seitens des Kreditnehmers an. Letztendlich eine Krux, schließlich wird die Bank um einen Vorschuss fehlender finanzieller Mittel gebeten. Gerade dann, wenn kleine- und mittelständische Unternehmen teure Anlagen anschaffen oder kostspielige Innovationen umsetzen wollen, stehen sie also vor dem Dilemma, wie sich diese finanzieren lassen. In diesem Fall bieten der Bund, die Länder und vom Bund und von den Ländern unterstütze Bürgschaftsbanken an, Sicherheiten zur Verfügung zu stellen. Eine weitere Fördermethode basiert auf der direkten Bereitstellung von Darlehen. In der Regel werden diese Darlehen für spezifische Vorhaben zur Verfügung gestellt. Das kann zum Beispiel ein Darlehen für Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben sein, wie es der Bund in Form der Förderung „ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit“ (www.bit.ly/2tg5GvQ) zur Verfügung stellt.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Förderungen in Form von Zuschüssen zu beziehen. Generell sind dieser Förderung keine Grenzen gesetzt. Zuschüsse können für gewisse Leistungen, spezielle Vorhaben, auf bestimmte Unternehmensstrukturen und –größen zugeschnitten sein. Die Anzahl der Zuschussförderungen ist immens und es bedarf einer gewissen Recherche, um eine passende Förderung für das eigene Unternehmen zu sichten. Dafür bieten sich verschiedene Datenbanken bzw. Suchmaschinen an. An dieser Stelle wird auf den europäischen Sozialfonds (www.esf.de), die Datenbank des Bundes (www.foerderdatenbank.de) und auf Länderebene die Suchmaschine der NRW.Bank hingewiesen (www.nrwbank.de). 

Wer stellt diese Förderungen zur Verfügung und an wer kann sie nutzen?

Auch hier zeigt sich, dass ein einzelner Artikel nur auf einen Teil der Projektträger hinweisen kann. Im Konkreten bedeutet das, dass Förderungen von verschiedenen Instanzen bereitgestellt werden. Wie bereits angedeutet, werden Förderprojekte u.a. von der EU, dem Bund und den Ländern finanziert.

Viele Projekte werden jedoch von eigenständigen Organisationseinheiten getragen, die wiederum von oben genannten Instanzen beauftragt werden Fördermittel zu verteilen. Eine noch größere Diversität zeigt sich auf Ebene der Empfänger einer Förderung. Letztendlich entscheidet jedes einzelne Förderprogramm über die Qualifikation eines bestimmten Unternehmens (alleine die NRW.Bank verweist auf 421 Förderprogramme).

Entscheidende Faktoren sind beispielsweise die Unternehmensgröße, gemessen an der reinen Mitarbeiterzahl oder dem jährlichen Umsatz, der Produktionsstandorte und ob diese innerhalb einer bestimmten Region liegen (gerade bei privaten Projektträgern und auf Länderebene) oder ob eine bestimmte Strategie entwickelt werden soll.