Digitalisierung | Herausforderung und Chance für die deutsche Wirtschaft

Digitalisierung | Herausforderung und Chance für die deutsche Wirtschaft

Die Welt ist im Wandel – Die digitale Transformation ist in vollem Gange und die Politik, Unternehmer und ihre Angestellten müssen die daraus resultierenden Herausforderungen gemeinsam meistern. Nur wenn die nötige Infrastruktur verfügbar ist, moderne Arbeitsbedingungen herrschen und qualifizierte Menschen am Werk sind, kann die Umstellung gelingen. In dieser Reihe nehmen wir die wesentlichen Faktoren der Digitalisierung unter die Lupe.

Der Wirtschaftsstandort Deutschland wird unattraktiver. Zu diesem Ergebnis kommen zumindest der „Doing Business“-Index der Weltbank und zuletzt auch der Länderindex der Stiftung Familienunternehmen. Die Studie der Weltbank nennt als Hauptfaktor die Untätigkeit der Bundesregierung. Deutschland rutschte zweimal in Folge auf dem Index ab, weil die wirtschaftlichen Bedingungen hierzulande stagnieren, während anderorts Reformen zur Steigerung der Standortattraktivität bereits Früchte tragen. Die Stiftung Familienunternehmen sieht ein großes Problem in der Steuerpolitik, denn sowohl die Steuersätze als auch die Komplexität des Steuersystems würden potentielle Investoren und Gründer abschrecken. Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt hingegen das Weltwirtschaftsforum. Im Wettbewerbsindex steht Deutschland hinter den USA und Singapur an der Weltspitze. Das gute Abschneiden wird dabei besonders mit der Innovationskraft und der wirtschaftlichen Stabilität begründet. Sowohl der Familien- als auch der Wettbewerbsindex kreiden jedoch dieselbe Schwachstelle an: Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher. Aber es gibt unternehmens- und branchenabhängig große Unterschiede. 

Der deutsche Mittelstand - Familienunternehmen

Knapp 90% der deutschen Unternehmen sind Familienunternehmen, ca. die Hälfte aller Beschäftigten erwirtschaften in ihnen knapp 50% des deutschen Gesamtumsatzes. In Anbetracht der Tatsache, dass dieser Unternehmensart häufig zu zaghaftes und konservatives Handeln im Bereich der Digitalisierung vorgeworfen wird, gibt es hier ein großes Potenzial zur Verbesserung. Die ausbleibende Entwicklung kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. Während schrittweise Modernisierung erwünscht ist, lehnen die meisten Familienunternehmer es ab, die eigene Produktpalette und Dienstleistungen in den nächsten Jahren signifikant umzustellen. Andere wollen, aber können nicht. Ihnen fehlt schlicht das Know-how, ihr Geschäftsmodell zu überarbeiten. Viele Unternehmer zögern noch, sich familienfremde Manager ins Haus zu holen. Generell gestaltet sich die Personalfrage schwierig, denn der deutsche Mittelstand hat enorme Probleme, Fachkräfte an sich zu binden. Ohne hochqualifizierte Digital Natives in den eigenen Reihen wird es vielen Firmen schwerfallen, bei der digitalen Transformation mitzuhalten. 

Industrienation Deutschland

Aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Obwohl viele Unternehmen bei der Digitalisierung Startschwierigkeiten haben, legt besonders die deutsche Industrie im Vergleich zum Vorjahr zu. Laut dem Monitoring-Report „Wirtschaftsindex DIGITAL“ haben über zwei Drittel der Unternehmen einen durchschnittlichen oder höheren Digitalisierungsgrad erreicht. Die Informations- und Kommunikationsbranche ist hierbei für den Großteil des Fortschritts verantwortlich. Auch diese Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland wegen seiner guten Rahmenbedingungen das Potenzial hat, als Digitalstandort vorne mitzumischen. Dieses Potenzial muss aber erst recht von den Wirtschaftszweigen, denen digitale Technologien noch weitestgehend fremd sind, genutzt werden. Nur wenn die Digitalisierung systematisch und branchenübergreifend voranschreitet, können davon alle profitieren.