Digitalisierung | Herausforderung und Chance für die deutsche Wirtschaft II

Digitalisierung – Herausforderung und Chance für die deutsche Wirtschaft II

Aufgrund der Digitalisierung werden Unternehmen innerhalb der nächsten Jahre einen drastischen Wandel vollziehen. Dabei sind sie vor allem auf eines angewiesen: die richtigen Mitarbeiter. Aber ist der deutsche Arbeitsmarkt bereit für die damit einhergehenden Veränderungen?

Digitalisierung ist Chefsache. Dieses Mantra bekommt man oft zu hören. Es mag etwas Wahres daran sein, aber vielleicht vereinfacht es die Thematik auch zu sehr. Natürlich muss von der Unternehmensführung eine klare Strategie vorgegeben werden für eine erfolgreiche digitale Umstellung. Aber mit den Arbeitsbedingungen wandeln sich auch die Anforderungen an die Arbeitnehmer. Durch die zunehmende Automatisierung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz werden zwar viele Jobs wegfallen, aber gleichzeitig neue entstehen. Die Studie „Die Zukunft der Arbeitsplätze 2018“ des WEFs rechnet bis 2022 mit 75 Mio. gestrichenen und 130 Mio. neuen Stellen. Darüber hinaus würde sich die vom Menschen verrichtete Arbeitszeit stark reduzieren. Momentan leisten Menschen ca. 70% der Arbeitsstunden, in Zukunft sollen es nur noch knapp 50% sein. Den Rest erledigen dann Maschinen und Computer. Diese Zahlen sorgen für Beunruhigung bei vielen Arbeitnehmern, denn sie fühlen sich schlecht vorbereitet auf die unausweichlichen Veränderungen in der Arbeitswelt.

Angst vor dem Unbekannten

Laut einer vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Studie der Initiative D21 ist die Mehrheit der Deutschen mit der Digitalisierung überfordert. Sie macht dafür unter anderem eine schlechte Kommunikation der Strategie bzw. eine diffuse Strategie im Allgemeinen seitens des Managements verantwortlich. Außerdem blieben die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten hinter den Erwartungen zurück. Fast 80% der Beschäftigten empfänden das Qualifikationsangebot ihres Unternehmens als unzureichend, ergab der „automatica Trend Index“ von 2018. Allerdings müssten annähernd 60% aller Beschäftigten intensiv weitergebildet oder sogar umgeschult werden. Bisher floss ein großer Teil des Budgets für Weiterbildungsmaßnahmen in die Förderung von High Potentials und Führungskräften, die Mehrzahl der Belegschaft blieb dabei auf der Strecke. Diese Verfehlung gilt es baldmöglichst zu korrigieren. Hierbei wollen Firmen auch auf die Initiative ihrer Mitarbeiter setzen, Fortbildungen anzuregen und fachfremde Themengebiete zu erschließen.

DIY – Do It Yourself!

Im Laufe der Digitalisierung gewinnen bisherige Schlüsselqualifikationen weiter an Bedeutung. Weil Arbeit flexibler, unabhängiger und smarter geleistet werden soll, werden Dauerbrenner wie innovatives Denken, Kreativität oder eine schnelle Auffassungsgabe noch wichtiger. Diese Fähigkeiten eignet man sich nicht durch Umschulungen an, sondern vielmehr durch Offenheit gegenüber Neuem, ständigem Lernen und der Motivation, Verantwortung zu übernehmen. Der Wille zum „lebenslangen Lernen“ wird hier von den Arbeitgebern großgeschrieben. 

Es gibt auf Unternehmensseite sicherlich nach wie vor großen Verbesserungsbedarf, die Angestellten angemessen vorzubereiten und zu qualifizieren. Aber es ist auch im Sinne der Arbeitnehmer, etwaige Zurückhaltung gegenüber neuen Technologien und Arbeitsabläufen abzulegen und digitalisiertes Arbeiten zu verinnerlichen.