Augmented Reality

Augmented Reality - Die erweiterte Realität

In diesem Artikel konkretisieren wir die Reihe Visualisierung, indem wir uns eine neue digitale Technologie, genauer gesagt Augmented Reality (AR), anschauen. Augmented Reality (dt.: erweiterte Realität) ist ein gutes Beispiel für das Potential der Visualisierung, Kontextualisierung und Verfügbarkeit von Informationen aus verschiedenen Quellen im Zuge der Digitalisierung.

 

Um AR einzuordnen und vor allem um die Unterschiede zur virtuellen Realität aufzuzeigen, hilft es, das Spektrum der Mixed Reality anzuschauen. Es umfasst im Grunde alle vermischten Realitäten bis hin zur vollständigen Virtualität.

Mixed Reality (MR) - Erweiterte Realität, erweiterte Virtualität und virtuelle Realität

 

Auf der Grafik ist das Spektrum von nur Realität (100% reell) bis nur Virtualität (100% virtuell) aufgezeigt. Dazwischen gibt es zwei weitere Formen der Darstellung: zum einen die erweiterte Realität, sprich AR welches wir im heutigen Artikel betrachten, sowie zum anderen die erweiterte Virtualität (AV). Der Unterschied zwischen AR und AV ist im Grunde die Basis (Realität oder Virtualität), welche um Informationen erweitert wird. Bei AR wird die Realität dargestellt, die um virtuelle Informationen ergänzt wird; hingegen werden bei AV reelle Informationen zu der Virtualität hinzugefügt.

Hyundai - Augmented Reality

(Abb.: Beispielhafte Darstellung von AR als Gebrauchsanweisung im Auto)

Wie groß der sinnvolle Anteil von Realität zu Virtualität innerhalb der erweiterten Visualisierungen ist, hängt vom Anwendungsgebiet und Einsatzzweck ab. Was wiederum zu den nächsten wichtigen Fragen führt:

  • Was sind konkrete Einsatzgebiete in meinem Unternehmen?
  • Welchen Mehrwert schafft die Einführung einer AR-Technologie?

Diese Fragen müssen spezifisch von jedem Unternehmen selbst beantwortet werden, was nur möglich ist, wenn ein gewisses Know-how zu der Technologie vorhanden ist.

State of the Art

Betrachten wir als nächstes, wie der Stand der Dinge in 2018 ist und welche Prognosen bereits getroffen werden können. Eine wichtige Voraussetzung für AR ist der fortgeschrittene Digitalisierungsgrad unserer Zeit. Sei es im Privaten oder im Beruflichen, wir erzeugen mittlerweile massenhaft Daten, die als Basis für AR dienen. Die zweite wichtige Voraussetzung für eine derartige digitale Technologie ist natürlich auch die flächendeckende Verbreitung und Vernetzung von Endgeräten, die AR-fähig sind. In 2017 erschienen unter anderem die Erweiterungen für die Betriebssysteme iOS (mit dem ARKit) und Windows 10 (mit dem Mixed Reality Creators-Update), womit schlagartig alle Geräte, die mit den jeweiligen Betriebssystemen laufen, AR-fähig wurden. Im Februar 2018 zog Google mit dem ARCore nach und macht damit Android-basierte Smartphones AR-tauglich. Es wird erwartet, dass in 2018 bis zu einer Milliarde AR-fähige Smartphones im Umlauf sind.

Augmented Reality fähige Endgeräte

Abb.: AR-fähige Endgeräte

Neben den mobilen Geräten, wie Smartphones oder Tablets sowie den windowsbasierten Desktopgeräten, gibt es mittlerweile performante Vertreter der dritten großen Gruppe: Datenbrillen bzw. smart glasses. Die wohl bekannteste Brille ist die HoloLens und stammt aus dem Hause Microsoft. Diese bildet sogar die gesamte Mixed Reality Sparte ab. Außerdem gibt es ebenfalls bereits performante AR-Brillen von ODG oder Meta 2. Alle Brillen bieten für die erste Version der Entwicklung bereits eine sehr gute Basis, was auf die Ausgereiftheit der Brillen bei Folgeversionen hoffen lässt.

Parallel zur hardwareseitigen Entwicklung gab es vor allem 2017 viele neue AR-basierte Anwendungen. Bekannte Vertreter aus der Gaming Branche sind Ingress, Minecraft und vor allem das weltweit bekannte Spiel Pokémon Go, welches sich schon in 2016 extremer Beliebtheit erfreute. Aber nicht nur in der Spielebranche ist AR angekommen. Auch andere Anwendungen werden mittlerweile mit AR ausgestattet und erhöhen dadurch die Durchdringung von Informationen beim Nutzer, wodurch eine erhöhte user experience entsteht. Beispiele hierfür sind die IKEA, Lego oder Museum Guide Applikation. IKEA bietet damit den einzigartigen Vorteil, die Möbelstücke vor dem Kauf über einen Produktkatalog bereits in den eigenen vier Wänden mittels AR zu betrachten. Lego stattet die Kunden mit einer Bauanleitung in AR aus und verknüpft dadurch die Technologie direkt mit dem Produkt. Museen nutzen AR-basierte Führungen, um vor allem junge Menschen für einen Museumsbesuch zu gewinnen.

Hinzu kommen die ersten industriellen Unternehmen, wie beispielsweise ThyssenKrupp Elevator, die AR produktiv nutzen. Bei ThyssenKrupp Elevator werden die 24.000 Service-Mitarbeiter mit der Microsoft HoloLens ausgestattet, sodass die spezifischen Kenndaten eines zu wartenden Aufzugs visualisiert und die Wartungsarbeit bis zu viermal schneller abläuft.

Zusammenfassend handelt es sich bei AR und VR um ein Milliardengeschäft, welches gerade in den Startlöchern steht und 2018 den großen Durchbruch erlangt. Passend dazu die unten aufgeführte Statistik und Prognose der Umsatzentwicklung in diesen Bereichen:

Ganzheitliche Umsatzentwicklung im Bereich Augmented Reality und Virtual Reality

Abb.: Gesamtheitliche Entwicklung des Umsatzes im Bereich VR & AR; Quelle: Digi-Capital, Statista Estimates, 2016

Das größte Geschäft, zumindest im B2B Bereich, wird allerdings in der Lösungsentwicklung, sprich Applikationen und Programme, und nicht im Hardwareverkauf erwartet. Dazu die folgende Statistik, welche die B2B-Umsätze mit VR & AR in Deutschland aufzeigt:

B2B Umsätze mit Virtual Reality und Augmented Reality in Deutschland aus dem Jahr 2016

Abb.: B2B Umsätze mit VR & AR in BRD; Quelle: Deloitte, Fraunhofer FIT, Bitkom 2016

Von 2016 bis 2020 wird ein jährliches Wachstum von 37% erwartet, wobei der größte Anteil in der Lösungsentwicklung liegt. Gerade dieser Bereich kann für jegliche industrielle Unternehmen interessant und relevant sein. Wie sieht eine Anwendung für mein Produktportfolio aus? In welchen Bereichen liegen die Lösungen: Marketing, Sales, Service oder Entwicklung?

Diese Fragen gilt es natürlich unternehmensspezifisch zu stellen und gegebenenfalls bereits konkret zu beantworten. Voraussetzung ist eine allgemeine Betrachtung der Technologie. Welche Hardware gibt es und passt zu meinen Anforderungen am besten? Welche Lösungsanbieter gibt es bereits und wer ist für mich der passende Partner? Diese Phase der Informationsbeschaffung ist grundsätzlich und unabdingbar zur Eruierung der Potenziale von AR in den eigenen Geschäftsprozessen.

Erfahren Sie im nächsten Artikel "Augmented Reality in der Industrie", wie AR in der Industrie eingesetzt wird und wie die Effekte bei bekannten Pilotprojekten aussehen.