Augmented Reality im Einsatz

Augmented Reality im Einsatz

Im heutigen Artikel betrachten wir den Einsatz von Augmented Reality im Allgemeinen. Dieser lässt sich auf drei grundlegende Szenarien herunterbrechen: Visualisieren, anleiten und interagieren. Wir betrachten im Folgenden genau diese detailliert und beleuchten bereits erste Effekte.

Visualisieren

Der wohl trivialste Einsatzzweck dient der Visualisierung. Mittels AR Anwendungen können Daten aus verschiedenen Quellen aufgenommen, in Kontext gebracht und in die physische Welt situationsgerecht übermittelt werden. 

Die Art und Weise der Visualisierung, beispielsweise ob dynamisch oder statisch, muss situationsbedingt beurteilt werden. Ebenso, welche Informations- und Datenquellen für das jeweilige Szenario Sinn ergibt. Schließlich lassen sich in allen Einsatzgebieten, von der reinen marketingtechnischen Präsentation des Produkts bis hin zur letztendlichen Inspektionsarbeit, grundlegende Mehrwerte identifizieren.

Der Medizintechnikhersteller AccuVein nutzt die AR-Technologie, um das Wärmemuster der Venen eines Patienten auf die Haut zu projizieren. Durch die derartige Unterstützung des medizinischen Personals liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Nadel beim ersten Versuch trifft, mehr als dreimal höher als ohne zusätzliche Visualisierung.

Auch Bosch Rexroth hat die Vorteile der zusätzlichen Visualisierung durch AR bereits erkannt und setzt diese beim neuen Hydraulikaggregat CytroPac ein. Die AR Anwendung bringt dem Kunden neben Design auch die Funktionen in unterschiedlichen Konfigurationsmöglichkeiten und das Innenleben, inklusive der Abhängigkeiten der Teilsysteme, des intelligent vernetzten Aggregats, näher.

Anleiten

Auf Basis der in Kontext gestellten Daten, lassen sich natürlich zusätzlich noch Anleitungen darstellen.

Das heißt also, man kann die Visualisierung nicht nur nutzen, um darauf hinzuweisen, welches Problem wo vorherrscht, sondern direkt auch schon basierend auf dem Problem eine Lösungsanleitung mitgeben. Dadurch lassen sich lösungsorientierte Informationen unmittelbar mit dem vorherrschenden Problem der individuellen Produktinstanz verknüpfen. Eine absolute Beherrschung der Komplexität durch Zusammenführung der grundsätzlich medienunterbrochenen Datenflüsse, wodurch nicht nur Kosten- und Zeitersparnisse, sondern auch noch Qualitätssteigerungen erzielt werden können. 

Diese Eigenschaft lässt sich bei der Montage von Produkten, den Betrieb einer Maschine oder Anlage sowie bei dem Bedienen eines Lagersystems nutzen. Verfahren, die normalerweise mit 2D Darstellungen in Handbüchern erklärt werden, können somit direkt als 3D Hologramme im physischen Anwendungsfall interaktiv genutzt werden. Dadurch verringert sich der Interpretationsraum und es erhöht sich die Qualität der Arbeit schon bei der ersten Anwendung.

Das lässt sich ebenfalls nutzen, um die eigene Belegschaft produktivitätssteigernd zu trainieren und qualifizieren. Wo traditionelle Lehrvideos und Texte an der eindeutigen Vermittlung von spezifischem Wissen scheitern, setzt AR neue Maßstäbe und schafft eine einheitliche und reproduzierbare Basis, die zusätzlich auch noch kosten- sowie zeitreduzierender ist. Die positiven Effekte auf Produktivität und Qualität bei komplexen Fertigungsprozessen durch Nutzung von AR in diesem Bereich hat der Flugzeugbauer Boeing durch eine Studie herausgestellt und wurden bereits im vorherigen Artikel [Augmented Reality in der Industrie] beleuchtet.

Ein weiteres prägnantes Ergebnis liefert die Firma Lee Company, die Gebäudesysteme verkauft und wartet. Dieses Unternehmen nutzt AR Anwendungen als Echtzeitexpertenunterstützung. Wie sieht das konkret aus? 

Mit AR Geräten kann ein Experte von einer zentralen Stelle heraus sehen, was der Außendienstmitarbeiter bei Installations- und Reparaturarbeiten sieht und ihn mittels AR bestmöglich durch die Arbeitsschritte begleiten, sowie in Echtzeit Anweisungen in sein Sichtfeld einblenden. Dadurch kann der Experte den Mitarbeiter direkt unterstützen, ohne selber vor Ort sein zu müssen. Dies bringt zwei konkrete Effekte. Zum einen erhöht dies die Arbeitsqualität des Außendienstmitarbeiters, zum anderen spart Lee Company dadurch immense Kosten. Die Einführung von AR hat Lees technische Auslastung erheblich gesteigert. Außerdem spart das Unternehmen pro Monat und Techniker mehr als 500 Dollar an Personal- und Reisekosten. Sie geben an, dass sie für jeden in AR investierten Dollar, 20 Dollar Rendite erwirtschaften.

Interagieren

Zugegebenermaßen ist das Feld der Interaktion bei kommerziellen Anbietern von erweiterten Realitäten noch nicht ausgereift und steht am Anfang der Entwicklungsprozedur, birgt aber ein immenses Potential. Was ist mit dem Interaktionspotential gemeint? 

Klassisch interagiert man mit Produkten über physische Steuerelemente und zum Teil bereits mit integrierten Touchscreens. Diese weichen bereits Apps, um intelligent vernetzte Produkte (bsplw. smart Home) ferngesteuert zu bedienen. AR geht noch einen Schritt weiter und fokussiert sich auf die Bedienung über Sprachbefehle oder Gestensteuerung, wie bereits bei der HoloLens eingesetzt.

Gesten- und Sprachsteuerung, Quelle: Harvard Business Manager

Abb.: Bedienung über Gesten- und Sprachsteuerung. Quelle: Harvard Business Manager, 2018

Die Idee dahinter: mittels Datenbrille auf ein Produkt schauen und neben der Bereitstellung von Informationen auch eine Bedienung zu ermöglichen, die das jeweilige Produkt steuert. Der Einsatzzweck geht über den Konsumentenbereich hinaus, wenn man nur beispielsweise an die Möglichkeit denkt, Fabrikarbeiter in Maschinenparks damit zu versorgen.

Dass die flächendeckende Durchdringung dieses Interaktionspotentials nur eine Frage der Zeit ist, zeigt eine vom MIT entwickelte AR App, die bereits in der Lage ist, über Smartphones oder Tablets, respektive auch Datenbrillen, verschiedene smarte vernetzte Geräte und Produkte über Gesten und Sprachbefehle zu steuern. 

General Electric hat bereits in Testphasen die Auswirkung von Sprachbefehlen für AR Anwendungen analysiert. Die Anwender haben die Kombination aus AR und Sprachsteuerung bei komplexen Verkabelungsprozessen bei Windrädern genutzt. Es stellte sich heraus, dass der Effekt einer Produktivitätssteigerung von 34% erzielt wurde.

Im nächsten Artikel fassen wir die Einsatzgebiete allgemein zusammen, um verschiedene Möglichkeiten dieser facettenreichen Technologie zu verdeutlichen und zeigen auf, welche neuen Geschäftsmodelle hieraus entstehen. Freuen Sie sich darauf zu erfahren, wie AR einen Mehrwert schafft.