5G Netz

VIERNULL.blog | 5G Mobilfunkausbau

Wenn die guten Vorsätze auf der Strecke bleiben.

In der Vorweihnachtszeit las man viel über Milchkannen. Ein augenscheinlich trauriges Bild, dass diese nun doch nicht an den kommenden 5G Standard angebunden werden sollen. Der folgende Artikel vermittelt eindrücklich wovon im Allgemeinen gesprochen wird und klärt auf, ob und warum ein 5G Netz an jeder Milchkanne sinnvoll ist.

Beginnen wir mit einer Analogie: Ein kühner Fischer sticht in raue See, er möchte sich an den reichen Fischbeständen des Spätherbstes bedienen, vor lauter Eifer bemerkt er gar nicht, dass sein Fangnetz löcherig ist.

VIERNULL.blog | 5G Netz als neuester Mobilfunkstandard

Ende November tauchte folgende Aussage der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, in verschiedenen Medien auf, „5G müsse nicht an jeder Milchkanne bereitgestellt werden“. Mittlerweile wurde die Ministerin für diese Aussage scharf kritisiert. Auch die Äußerungen von Angela Merkel, dass „ein verlässlicher 3G Standard genüge und ein sofortiger flächendeckender Ausbau auf den neuen Mobilfunkstand sei nicht erforderlich“, verdeutlichen, dass in Zeiten der Digitalisierung der Industrie auf bundespolitischer Ebene digitale Steinzeit herrscht. 

5G als neuester Mobilfunkstandard könnte eine Grundlage dafür bilden, autonomes Fahren, virtuelle Realitäten und Industrie 4.0 im Allgemeinen zu ermöglichen. Schlüsseltechnologien, von denen die Wettbewerbsfähigkeit mittelständischer Unternehmen abhängen wird. Der große Vorteil der 5G Technologie ist, die weitestgehende Unabhängigkeit von der Besiedlungsdichte. Ein Hemmnis bisheriger Mobilfunkstandards. Die Anforderungen an das Netz werden vielmehr durch die einzelnen Nutzer beeinflusst. Man könnte daher von vielen individuellen und virtuellen Spezialnetzen ausgehen, die auf spezielle Anforderungen zugeschnitten sind. Einfach gesagt, diese Netze wären relativ smart und vor allem verfügbar.

Im Frühjahr 2019 wird die Bieterschlacht um die Frequenzlizenzen eröffnet. Denn so viel ist bereits klar: Die Einführung des Mobilfunkstandards 5G wird nicht billig. Nachhaltig wird dieser Standard es jedoch ermöglichen digitale Geschäftsmodelle aufzubauen, die einen Wettbewerbsvorteil ermöglichen können. Selbstverständlich wird eine Anpassung an den 5G Standard nicht alle Herausforderungen der Digitalisierung lösen können und dennoch würde es viele Technologien, derer sich auch die politische Führungsriege bewusst ist, ermöglichen. Und selbstredend ist damit nicht gemeint, die neueste Folge aktueller Erfolgsserien zu streamen. Hochspezialisierten Mittelständlern oder „hidden champions“, dessen Wachstum aufgrund der Netzanbindung in ländlichen Regionen eingeschränkt ist, würde eine grundsätzliche Möglichkeit geboten an der digitalen Transformation teilzunehmen. Ein notwendiger Schritt, der aus unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet nachvollziehbar ist. Wirtschaftliche und soziale Aspekte sind hier zweifelsohne die Offensichtlichsten.

Umso verwirrender erscheint die Debatte um den Mobilfunkstandard 5G, wenn es um die technologische Vorreiterrolle der Bundesrepublik geht. Alles soll zwar smart sein, aber die zögerlichen Aussagen, die eine Umsetzung ermöglichen würden, sind es nicht. Viele der neuen Technologien erfordern eine Echtzeitdatenübertragung. Eine Anforderung, die durch ein 4G Netz nicht erfüllt werden kann. Die kritische Größe ist dabei nicht die Menge der übertragenen Daten, sondern die Latenzzeit die bis zur Bereitstellung eines Signals verstreicht. Die Ausfallsicherheit und die Geschwindigkeit der Datenübertragung wurden industriell bereits erprobt. Der Hamburger Hafen experimentiert bereits seit ungefähr einem Jahr mit einem eigenen 5G Netz und auch Stresstests konnten bis dato nicht an der Anbindung rütteln. Steuerungen ermöglichen einen intelligenteren Werksverkehr, Sensoren zeichnen verschiedene Daten auf und ermöglichen eine zentrale Auswertung. Auch Augmented Reality Datenbrillen werden eingesetzt, um verlegte Leitungen für das Auge sichtbar zu machen. Dennoch eine eigene Finanzierung des Netzes kommt nicht in Frage. Vielmehr soll ein Provider für ein entsprechendes Leistungsversprechen bezahlt werden. Auch der Chemieriese BASF fordert eine Bereitstellung eines 5G Netzes. Das werksintern betriebene 4G Netz wird mit steigender Anzahl vernetzter Sensoren und Aktoren nicht mehr ausreichen (aktuell beläuft sich die Zahl auf 600.000). Im Zuge der Digitalisierung wird mit einer Verzehnfachung gerechnet. Darüber hinaus, stattet auch BASF Mitarbeiter mit Datenbrillen aus, um Wartungstechniker weltweit zu unterstützen. Ein flächendeckendes 5G Netz bis an jede Milchkanne würde es ersparen, flächendeckend Glasfaserkabel in ländlichen Regionen zu legen. 

Kommen wir zurück zum Fischer. Mit vollem Elan ist er in sein Vorhaben gestartet, um frischen Fisch zu fangen, umso glorreicher ist er gescheitert. Die dicksten Fische konnte er zwar fangen, aber voll sind seine Netze nicht. Die große Menge der kleineren Fische ist bei seinem Nachbarn im Netz ohne Löcher gelandet. Die Aussichten auf Erfolg hängen wieder einmal nicht vom Vorhaben, sondern von der Umsetzung ab.